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Malteser Hamburg

Frohe Weihnachten für Flüchtlinge

Zu Besuch im Deutschkurs der Erstaufnahme am Rahlstedter Grenzweg

16.12.2016
Diakon Jörg Kleinewiese spricht im Deutschkurs über das Weihnachtsfest und wie es Familien in Deutschland feiern.
Diakon Jörg Kleinewiese spricht im Deutschkurs über das Weihnachtsfest und wie es Familien in Deutschland feiern.
Die Verständigung untereinander klappt, zwei Übersetzer unterstützen den Diakon und seine Zuhörer dabei.
Die Verständigung untereinander klappt, zwei Übersetzer unterstützen den Diakon und seine Zuhörer dabei.
Es weihnachtet auch inmitten der Erstaufnahme am Rahlstedter Grenzweg. Fotos: Stefanie Langos
Es weihnachtet auch inmitten der Erstaufnahme am Rahlstedter Grenzweg. Fotos: Stefanie Langos

Hamburg. Ein Dutzend Frauen und Männer der Erstaufnahme am Rahlstedter Grenzweg sitzen in einem der zwei hellerleuchteten Container an Tischen, die in U-Form aufgestellt sind. Es gibt nicht viel Platz, alles ist zweckmäßig eingerichtet, aber alle Augen schauen aufmerksam in Richtung Tafel. Davor steht Diakon Jörg Kleinwiese. Er ist heute im Deutschkurs von Ghassem Kahed zu Besuch. Wo der Iraner sonst Flüchtlingen die deutsche Sprache beibringt, dreht sich am Montag, 12. Dezember alles rund um Weihnachten und wie es in Deutschland gefeiert wird. Auch wenn fast alle der Bewohner schon seit über einem Jahr in Deutschland sind, möchte Kleinewiese heute über die Geschichte und den Hintergrund des Festes informieren. Deutschlehrer Ghassem Kahed malt einen horizontalen Strich mit vielen Grasbüscheln an die Tafel, als der Diakon seinen Familiennamen erklärt. Ein Schmunzeln zeigt sich auf den Gesichtern der Bewohner. Sie besuchen den Kurs freiwillig. Eine Aufenthaltserlaubnis haben sie alle noch nicht und deshalb dürfen sie momentan auch keinen Integrationskurs besuchen.

„Überall wo Sie hinschauen, sehen Sie weihnachtlichen Schmuck. Im Dezember bis in den Januar hinein feiern wir Weihnachten. Doch was ist das überhaupt?“, fragt Kleinewiese in die Runde. Ali Muhammad, ein dünner, kleiner Mann aus Afghanistan meldet sich: „Sie schmücken Ihre Häuser mit roten und grünen Lichtern und es gibt eine große Feier“, sagt der junge Mann auf Englisch. Ein anderer Bewohner sagt: „Jesus ist auferstanden“ und „in dieser Zeit feiern viele Familien zusammen“. Kleinewiese klärt auf, was es tatsächlich mit Weihnachten auf sich hat, dass Christen an Weihnachten nicht die Auferstehung, sondern die Geburt Jesu feiern. Als der Diakon von Jesus Mutter, Maria, spricht, fügt Ali Muhammad hinzu: „Auch der Koran schreibt über Maria“. Kleinewiese stimmt ihm zu. „Judentum, Christentum und Islam haben historisch viel gemeinsam“. Immer mehr Beispiele tragen die Teilnehmer zusammen und zum Schluss stehen Adam, Eva und Abraham an der Tafel, den die Muslime als Ibrahim verehren.

„Mit der Geburt Jesu beginnt die neue christliche Zeitrechnung. In den ursprünglichen Zeiten begann der Tag mit dem Dunkelwerden, deswegen feiern wir am 24. Dezember auch den Heiligenabend“, so Kleinewiese. „Warum brennen jetzt schon so viele Kerzen und Lichter in den Straßen, Wohnungen und Häusern?“, fragt er die Flüchtlinge. „Wir nennen diese Zeit Advent, dass bedeutet „er kommt“. Wir freuen uns darauf, dass Jesus kommt. Und die Kerzen sind ein Symbol für das Licht, dass Gott in unsere Welt gebracht hat“, erklärt er. Deshalb hätten viele Familien einen Adventskranz mit vier Kerzen, von denen an jedem der vier Adventssonntage eine angezündet wird.

Anschließend spricht Diakon Kleinewiese mit den Kursteilnehmern über Weihnachtsbäume. Mitten auf der Wiese vor den Wohn- und Verwaltungscontainern steht ein gut gewachsener, rund fünf Meter hoher Baum, der bereits mit einer Lichterkette geschmückt ist. „An die Spitze kommt ein Stern“, ergänzt eine Iranerin. Die Teilnehmer möchten wissen, warum. „Vor der Geburt Christi gab es drei Könige. Ihnen wurde geweissagt, dass ein Stern ihnen den Weg nach Bethlehem zu Jesus führen würde. Deswegen schmücken auch heute noch viele Familien ihren Baum mit einem Stern“, sagt Kleinewiese. Warum und wann es Geschenke gibt und was es mit den Advents- und Weihnachtsmärkten auf sich hat, bespricht die Gruppe auch noch. Inzwischen rauchen den Zuhörern die Köpfe, vieles war heute für sie neu. „Egal, wo die Menschen herkommen, wenn sie in unserem Kulturkreis leben, dann ist ein Wissen über unsere Tradition wichtig für ihre Integration. Ich glaube, dass ist für das gegenseitige Verstehen sehr nützlich“, sagt Kleinewiese.

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