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Malteser Hamburg

„Sterbende zu begleiten, heißt vor allem da sein“

Infoabend am 11. Juli für Interessierte am Kurs "Sterbende begleiten lernen"

29.06.2017
Für Sterbebegleiterin Maria Behrend gehört der Tod zum Leben dazu. Foto: Stefanie Langos
Für Sterbebegleiterin Maria Behrend gehört der Tod zum Leben dazu. Foto: Stefanie Langos

Hamburg. Maria Behrend kennt sich mit dem Abschiednehmen aus: Schon in jungen Jahren starb ihr Bruder an Krebs und auch ihre eigene Mutter hat die Hamburgerin im Sterben begleitet. So musste sie sich schon früh mit dem Lebensende auseinandersetzen. Daher lag es für die 68-Jährige nahe, sich als Sterbebegleiterin zu engagieren: „Ich möchte gerne etwas von meiner Zeit anderen Menschen zur Verfügung stellen. Außerdem wollte ich etwas tun, das die Tiefe des Seins berührt.“

Durch einen Zeitungsbericht erfuhr Maria Behrend vom Kurs „Sterbende begleiten lernen“, den das Team des Hospiz-Zentrums Bruder Gerhard regelmäßig im Malteserstift Bischof Ketteler anbietet. Der Kurs bereitet Interessierte auf ein Ehrenamt als Sterbebegleiter vor und soll Ängste vor dem Thema Sterben nehmen. „Wir haben uns damit beschäftigt, was Sterben bedeutet, wie wir es selbst im Freundes- oder Familienkreis erlebt haben, wie wir am besten mit Sterbenden kommunizieren und was ein sterbender Mensch braucht“, so Behrend. Dabei sei auch die eine oder andere Träne geflossen, aber auch das gehöre dazu. Und natürlich wurde auch viel miteinander gelacht.

Sterbebegleiter besuchen schwerkranke Menschen auf ihrem letzten Weg – ob zu Hause, in einem stationären Hospiz oder im Pflegeheim. Wie Maria Behrend, sie besucht seit Januar jeden Dienstag eine alte Dame im Malteserstift Bischof-Ketteler in Hamburg-Schnelsen. „Sie erkennt mich nicht, wenn ich zur Tür hereinkomme. Deswegen reiche ich ihr das Mittagessen, um mit ihr in Kontakt zu kommen“, erzählt Behrend. Denn die Seniorin kann keine vollständigen Sätze mehr sprechen. Manchmal massiert die Sterbebegleiterin ihr die verspannte Schulter, erzählt oder ist einfach da, wenn die alte Dame ruht. Die Ehrenamtliche entscheidet selbst, wie lange sie bleibt, meist verabschiedet sie sich nach eineinhalb Stunden.

„Jemanden am Ende des Lebens zu begleiten, heißt vor allem da sein, aushalten, ohne Ansprüche an den Menschen, den ich besuche. Das kann auch anstrengend sein, wenn ich bewusst auf meine Atmung und meine Bewegungen achte, aber ich kann auch einfach still sitzen und leise lesen“, so Maria Behrend. Wie sie damit umgeht, dass die Menschen, die sie besucht beim nächsten Mal schon nicht mehr da sein könnten? „Ich würde das sehen, wenn jemand auf die Reise geht. Und das gibt mir die Möglichkeit, mich damit auseinanderzusetzen. Natürlich wäre ich traurig, aber ich würde ihr eine gute Reise wünschen und dann loslassen“, ist sich Behrend sicher. Eine gute Sterbebegleiterin ist für Maria Behrend jemand, der sich selbst kennt und der Mut hat, auch mal auf Distanz zu gehen. „Anfangs hatte ich Angst, zu sehr mitzufühlen, denn ich bin ein sehr gefühlvoller Mensch. Aber mir ist sehr bewusst, dass der Tod zum Leben dazugehört.“

Der Grundkurs umfasst 50 Stunden sowie ein Praktikum und kostet 130 Euro. Alle vier Wochen erhalten die Ehrenamtlichen fachliche Begleitung (Supervision), um gemeinsam über das Erlebte zu sprechen und von den Erfahrungen anderer Sterbebegleiter lernen zu können.

Am Dienstag, 11. Juli findet um 18:30 Uhr im Malteserstift Bischof-Ketteler (Kettelerweg 5) ein Infoabend über die Schulung neuer Ehrenamtlicher statt. Anmeldungen bitte bei Kursleiter Uwe Enenkel unter 040 603 3001 oder per E-Mail an hospiz-zentrum.hamburg(at)malteser(dot)org.

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