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Malteser Hamburg

„Ich habe Zeit für dich“ – wie eine Hamburgerin Sterbende begleitet

Infoabend am 21. August in Hamburg-Schnelsen

16.08.2018
Im Anhang finden Sie ein Foto, das Sie gerne honorarfrei verwenden können. Foto: Stefanie Langos

Hamburg. Ein Buch änderte Ümran Özdugans Leben. „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ der australischen Schriftstellerin Bronnie Ware hatte sie tief beeindruckt. Sterbende begleiten wollte Özdugan auch und recherchierte dazu. Eine Ausbildung zur Krankenschwester kam für sie nicht in Frage. Da entdeckte die Bankerin vor drei Jahren einen Hinweis auf eine Informationsveranstaltung für angehende ehrenamtliche Sterbebegleiter. Seit März 2018 begleitet sie nun selbst jedes Wochenende sterbende Menschen im Palliativbereich eines Krankenhauses in Hamburg-Schnelsen.

„Jede Begegnung ist etwas Besonderes“, sagt die 47-Jährige. „Ich stelle mich als Ehrenamtliche der Malteser vor. Ich sage: ‚Ich besuche hier die Patienten und wenn Sie Zeit haben, dann setze ich mich dazu‘“, so Özdugan. Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen seien Grundvoraussetzungen für Sterbebegleiter. Man müsse sich auf die Menschen einlassen. „Ich bin ein neugieriger Mensch, die Besuche machen mir Freude. Man muss auch zuhören können und den Anderen ausreden lassen. Ich signalisiere, ich habe Zeit für dich. Dafür bin ich da“, sagt die Ehrenamtliche.

Ümran Özdugan ist im steten Austausch mit den Krankenschwestern. Dort erfährt sie, in welches der Patientenzimmer sie gehen darf, wer etwas Ruhe braucht. Sie bekomme auch manchmal den Hinweis, dass es einem Patienten schlecht gehe, aber der Partner jemanden zum Reden brauche. „Wir setzen uns dann in die Cafeteria und unterhalten uns. Eine Bekannte eines Sterbenden sagte einmal: ‚Machen Sie bitte weiter, das ist gut, was Sie machen.‘“

Sterbebegleiter werden beim Malteser Hilfsdienst gut vorbereitet. Zehn Kurseinheiten besucht jeder Ehrenamtliche, gefolgt von einem Praktikum. „Es ist wichtig zu lernen, wie viel kann ich geben, wie viel vertrage ich“. Einmal im Monat gehen Özdugan und die anderen Sterbebegleiter zur Supervision. Sie reflektieren dort ihre Erlebnisse: „Wir lernen beispielsweise auch, wie wir damit umgehen können, wenn ein Mensch während unseres Besuches stirbt.“ 

Vor ein paar Wochen erfuhr sie, dass eine Dame, die sie begleitet hatte, verstorben war. „Ich habe mich gefragt, ob ich mich anders hätte verabschieden sollen“, sagt die Ehrenamtliche. Sie hätte die darauffolgenden Tage an die Verstorbene gedacht. „Ich bin sehr dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte, dass sie Nähe zugelassen hat“, so Özdugan. Mit der Nähe ist das so eine Sache bei der Sterbebegleitung, vor allem mit der körperlichen Nähe. Einige Sterbende möchten nicht berührt werden. „Ich versuche mir vorzustellen, wie ich es wollen würde. Das wäre sicher tagesabhängig und so ist es auch bei den Menschen, die ich begleite“, sagt die Hamburgerin. „Deswegen frage ich immer: Darf ich Ihre Hand nehmen? Diese Dame erwiderte dann immer: ‚Unbedingt.‘“

Manche Menschen besucht die 47-Jährige nur ein einziges Mal. „Ich verabschiede mich immer so, als wäre es das letzte Mal“, so Özdugan. Ihr sei es wichtig, dass die Menschen einen guten Abschied nehmen können. „Manchmal werde ich von Patienten gefragt, wie es zu Hause weitergeht, wenn sie das Krankenhaus verlassen, um in vertrauter Umgebung Abschied nehmen zu können.“ Dann verweise sie an die hauptamtlichen Experten in der Klinik, die beratend zur Seite stünden. Auch als Sterbebegleiterin müsse man nicht auf alles eine Antwort haben. Wichtig sei, die Fragen aufzunehmen und weiterzuleiten.

„Sterbende begleiten ist eine sehr bereichernde Aufgabe. In einem Kurs hatten wir eine Themeneinheit, da ging es um das Bild einer Waage - was gebe, was bekomme ich. Momentan bekomme ich sehr viel mehr als ich gebe. Für die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit bekomme ich viel Wertschätzung und Dankbarkeit“, sagt Özdugan.

Infoabend am 21. August
Der nächste Informationsabend für Interessierte findet statt am Dienstag, 21. August von 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr im Malteserstift Bischof-Ketteler (Kettelerweg 5) in Hamburg-Schnelsen. Wir bitten um Anmeldung unter 040 603 3001 oder per E-Mail an hospiz-zentrum(at)malteser(dot)org.

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