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Malteser Hamburg

Von Pedalrittern und ihren Rössern

25.01.2019
Pedalritter Manfred Gocht bastelt an einem der Spendenräder.
Etta Weiser (r.) und Detlef Schulz richten die neue Fahrradwerkstatt ein. Fotos: Stefanie Langos

Hamburg. Alte, ungenutzte Fahrräder, die in Kellern verstauben, helfen niemandem. Das dachten sich auch Hamburger, die sich gern für Flüchtlinge einsetzen und etwas Handwerkliches tun wollten. So gründeten sie eine Fahrradwerkstatt rund um eine ehemalige Meiendorfer Erstaufnahme. Als die Flüchtlingsunterkunft geschlossen wurde, zogen die Ehrenamtlichen Ende 2017 samt ihrer Werkstatt in die Erstaufnahme Neuer Höltigbaum nach Rahlstedt um. Ende 2018 hieß es dann erneut Koffer packen, als die Fahrradwerkstatt samt zahlreicher Spendenräder nach Volksdorf umzog. Dort hat sie im Jugendzentrum Manna der Malteser ein neues Zuhause gefunden. 

Etta Weiser und Manfred Gocht hieven zwei Räder auf Fahrradmontageständer. Gocht hat sich den Vorderreifen eines silberfarbenen Herrenrades vorgenommen. Der Hamburger baut ihn aus und prüft den Schlauch im Wasserbad. Dazu pumpt er ihn auf, taucht ihn ein und schaut, ob sich Bläschen bilden. „Ich prüfe, ob er in Ordnung ist. Wenn nicht, kommt ein neuer rein. Das ist das Einzige, was an diesem Rad gemacht werden muss.“
 
Pedalritter Wandsbek nennen sich gut zwölf Ehrenamtliche, die gern an Rädern schrauben und an zwei Standorten – in Volksdorf und in Jenfeld – eine Fahrradwerkstatt betreiben, die Geflüchtete mobilmachen möchte. Mittwochvormittags treffen sie sich in Volksdorf. Detlef Schulz bringt knapp unter der Decke ein Regal in der Werkstatt an. Etta Weiser reicht ihm einem Gepäckträger nach dem anderen, die Schulz auf dem Brett über seinem Kopf anordnet. Sie sei dabei, weil es ihr große Freude mache, sagt Weiser. „Ich habe vier Kinder, die ihre Räder immer wieder kaputt nach Hause bringen.“

Die Pedalritter machen gebrauchte, oft reparaturbedürftige Räder wieder verkehrssicher. Meist seien Reifen platt, die Beleuchtung müsse repariert, die Bremsen und die Schaltung eingestellt werden, so Schulz. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.“ Das Team verstünde sich nicht als Dienstleister, zu denen Geflüchtete kämen und warteten, bis ihr Problem behoben sei. „Viele wissen oft nicht, dass wir das ehrenamtlich machen“, sagt der gelernte Tischler. Das Angebot solle keine Konkurrenz für Fahrradläden sein. „Hier bekommen die Geflüchteten einiges etwas günstiger, aber etwas Geld nehmen wir für die Reparaturen. Alternativ könnte derjenige auch mitschrauben“, erläutert Schulz. 

„Wir wollen helfen, dass die Menschen durch uns auf die Beine kommen. Er ist wichtig, mobil zu sein", formuliert Pedalritter Jürgen Block ein zentrales Ziel der Fahrradwerkstatt. „Wir müssen sehen, wie wir die Räder zu den Menschen bringen oder ob sie die selbst abholen können“, so Gocht. Die Schrauber hätten sich auch vorgenommen, in Zukunft mit Jugendlichen zusammenzuarbeiten: „Das gibt Freude am Schrauben und wir wollen unsere Fähigkeiten an die jungen Leute weitergeben“. 

Kontakt
Susanne Behem-Loeffler verantwortet bei den Maltesern Projekte, die Flüchtlinge bei der Integration unterstützen: 040 20 94 08 91, susanne.behem-loeffler@malteser.org. 
 

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE72 3706 0120 1201 2240 19  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7